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Die erste Seminarfahrt

Leipzig. Hauptbahnhof, 10:10 Uhr, Gleis 8. Es ist meine erste Seminarfahrt und gedankenverloren starre ich auf die sich vor meinen Augen abspielende Szene: Um die 30 Personen stehen wie Ölsardinen gequetscht auf dem vorderen Gleis. Ich trete näher und versuche mich noch mal an die Abfahrtszeit und an den Treffpunkt zu erinnern, den wir mal in irgendeiner E-Mail zugesendet bekommen hatten. Es war doch Gleis 8, oder? Unsicher, ob ich mich nicht komplett vertan habe, trete ich noch ein bisschen näher. Die Wortschnipsel wie: „Ähh, du machst auch ein FSJ oder?“ aus der Konversation einer kleineren Gruppe neben mir lassen mich durchatmen. Gut, ich bin hier richtig! Kurze Zeit später sehe ich Sarah in der Menge winkend grüßend, die letzten Tickets werden rasch gekauft und auf geht's nach … (Trommelwirbel) Torgau!

 

Tag 1 – Das Kennenlernen

Im Laufe des Tages wurden die Teilnehmer*innen unserer Seminargruppe miteinander „warm“, wie man so schön sagt. Wo man zu Mittag noch einzelne Grüppchen oder Personen im Seminarraum herumschlurfen sah, wurden durch Warm-ups, Kennenlernspiele und kleinere Kaffeepausen die 32 Individuen miteinander vertraut gemacht. Und es wurde viiiiiel Kaffee getrunken. (Der Kaffeekonsum unserer Seminargruppe war wirklich insanely hoch. Man hätte fast meinen können, wir höchst persönlich wären für die Abholzung des Regenwaldes verantwortlich. Spoiler: sind wir nicht). So kam es, dass abends alle glücklich und gut gesättigt ihre restliche Zeit des Tages frei gestalten konnten. Ob ein nächtlicher Spaziergang an der Elbe entlang, eine Runde Flunkyball oder eine Malsession – die Möglichkeiten waren vielfältig und die Neugier groß! Der Abend verging wie im Flug, das Koffein schon längst nicht mehr am Wirken und somit entschlossen die jungen Freiwilligen, sich in ihre Gemächer zurückzuziehen und dem sowieso des Alters verschuldeten Schlafmangels entgegenzuwirken und ausnahmsweise mal früh(er) ins Bett zu gehen.

 

Tag 2 – Kunstausstellung: „Wien, Berlin, Torgau“

Der Dienstag wurde mit dem Highlight abgeschlossen, unsere Kunstprojekte, die wir jeweils den gesamten Nachmittag entwickelten, in einer kleinen „Vernissage“ zu präsentieren. Aufgabe war es, unsere Einsatzstelle in irgendeiner kreativen Form darzustellen. Manch eine Person hat einen Poetry-Slam über seine/ihre Arbeit vorgetragen, die anderen haben plastisch und künstlerisch ihre Kreativität voll zum Ausdruck gebracht. Es war sehr inspirierend, einen kleinen Einblick in die Einsatzstellen und Tätigkeiten der anderen Freiwilligen zu bekommen.

Ach ja, ihr könnt Sarahs und mein Meisterwerk unten in der Fotocollage begutachten ;)

 

Tag 3 – Orgakram, Jamsession und in der Sonne sitzen

Am Vormittag stand ziemlich viel Orgakram (Rechte und Pflichten im FSJ, Bildungstage etc.) an, was jedoch zum Mittag mit dem sogenannten „Barcamp“ abgelöst wurde. Wir als Gruppe hatten den restlichen Nachmittag Zeit, uns (kreativ) auszutoben. Ich schloss mich der Gruppe „Jamsession“ an, wo wir mit einer Ukulele, einer Geige, tollen Menschen und einem leeren Raum mit nicer Akustik gesungen und musiziert haben.

 

Tag 4 – Nichts als Theater!

Am Donnerstag haben wir uns in unterschiedliche Workshops gestürzt und neues Terrain entdeckt. Die Auswahlmöglichkeiten waren vielfältig! Zwischen Fotografie, Awarness-Kurs, Illustration und Improtheater lag die Qual der Wahl, sich für einen Workshop zu entscheiden. Ich habe, wer hätte es gedacht, den Improworkshop gewählt. Für mich und meine Improgruppe kann ich sagen, dass wir mit einem breiten Grinsen, viel Energie und Muskelkater vom vielen Lachen aus der Workshop-Session gegangen sind.

 

Tag 5 – Vom Abschied und Wiedersehen

Freitag. Abreise. Abschied. Und die schlagartige Erkenntnis, dass all die neuen Menschen, die man in dieser kurzen Zeit kennengelernt hat, einem irgendwie schon sehr ans Herz gewachsen sind. „Euphancolie“ trifft es wahrscheinlich am besten. Einerseits freue ich mich total mit dem neuen Input und der neu gewonnen Euphorie zurück nach Leipzig zu fahren und wieder am Theater zu sein. Andererseits bin ich auch ein wenig melancholisch, da es bis zur nächsten Seminarfahrt noch sehr lange hin ist, die Menschen alle in Sachsen verstreut wohnen und man sich bis dahin erst einmal nicht so schnell wiedersieht. Naja, aber ich will auch jetzt nicht zu sentimental werden. Schließlich soll man ja immer dann gehen, wenn’s am schönsten ist und es heißt ja auch nicht umsonst auf Wiedersehen.

 

Egal, ob es ein Herz-zu-Herz-Gespräch am Frühstückstisch war, ein lustiger Insider, der sich eines Abends ergeben hatte oder einfach einer dieser Momente, in dem man in der Sonne auf der Bank sitzend im Äther des Daseins schwimmt, schweigt und Zeit zusammen verbrachte … All diese Begegnungen, Gespräche und Erlebnisse machten die Woche zu einer besonderen, die mir noch lange in guter Erinnerung bleiben wird :)

 

          Von Gwen