· 

Ein Thema, zwei Eindrücke – Antike Workshops am Gustav-Hertz-Gymnasium

 Johannes. Mittwoch:

 

Was haben ein Physikleistungskurs und antikes Theater gemeinsam? Statik und Schallberechnung? Auf jeden Fall aber einen Workshop am Gustav – Hertz – Gymnasium! Denn diese Woche fiel, mit einer praktischen Einführung zu antikem Theater, der Startschuss für den ersten Workshop dieser Spielzeit. Um 8:45 Uhr schwang ich mich aufs Rad und machte mich auf den Weg nach Paunsdorf/Heiterblick. Anne und ich starteten den Kurs mit einem amüsanten Assoziationskreis zum Thema „antikes Theater“ (es fielen überraschenderweise Begriffe wie Prinzessin oder Romeo und Julia) und einem kleinen chorischen Warmup. Dann ging es zur Sache: Speed – Dating! Hierbei wollten wir allerdings nicht die SchülerInnen miteinander verkuppeln, sondern das Ziel dieser Übung ist, sich kurz und knapp über kurze Info-Texte auszutauschen. So erzählten sie sich gegenseitig etwas über die wichtigsten Begriffe des griechischen antiken Theaters: der/die Schauspieler, Euripides, Sophokles und Aischylos, der antike Chor und die Rolle des Zuschauers. Ob bei dem ein oder anderen Gespräch aber nicht doch etwas geflirtet wurde, blieb ein Geheimnis. Es folgte ein kurzer Input von mir: zur Architektur, Bühne und Maske, mit schnellem Vergleich zum heutigen Theater. Im nächsten Part beschäftigten wir uns mit Masken - DIE charakteristische Methode des antiken Theaters. Warum haben die Spieler damals immer Masken getragen? Welche Herausforderungen und Erleichterungen bringt die Gesichtsverfremdung mit sich? Worauf muss ich achten, wenn ich mit Maske spiele? Wie spreche ich und wie zeige ich Emotionen, obwohl man mein Gesicht nicht sieht? Mit unseren mitgebrachten Probe-Masken konnten sich die Teilnehmenden durch Ausprobieren selbst auf die Suche nach Antworten machen. Auch das für antikes Theater so typische chorische Sprechen haben wir anhand von Medea-Texten ausprobiert. Und so fielen in das Pausenklingeln die bedeutungsschweren letzten Worte: „[…] und die Götter ahnden den Frevel mit schrecklichen Plagen.“

 

Damit ist also der erste Workshop geschafft und uns bleiben Wörter wie „Testi“ (kurz für Testosteron), Amphitheater, Prinz/Prinzessin, Standbilder, silberne Masken und ein chorisches Durcheinandernuscheln in Erinnerung.

 

Rosa. Donnerstag:

 

Wir rollen auf den, früher immer gemiedenen, Lehrerparkplatz. Es ist ein komisches Gefühl ein fremdes Schulgebäude zu betreten – nachdem wir endlich den Haupteingang gefunden haben, überqueren wir den Schulhof wie Eindringlinge und werden mit skeptischen Blicken gemustert. Bei mir, der FSJ-lerin liegt die Schule gerade mal wenige Monate zurück und trotzdem fühlt sich das Gebäude, mit seinen vielen Klassen, Treppenaufgängen und bunten Spinden in abgelegenen Ecken, sehr fremd an.

 

Wir starten mit zwei Auflockerungsspielen, die nicht nur dazu dienen, Teamgeist und Werkkenntnis der Klasse zu fördern, sondern auch dabei helfen, einen ersten Eindruck von der Klasse zu bekommen. Mithilfe einer Übung, bei der die SchülerInnen Begriffe des antiken Theaters erläutern und anschließend in die Kategorien: „geschichtlicher Hintergrund“, „Inhalt“, „Autoren“, „Aufführungen“ und „Theaterbau“ sortieren, verschaffen wir uns einen Überblick wie Theater damals war und was davon heute noch erhalten ist. Im antiken Theater war der Gebrauch von Masken sehr markant und so zaubern wir ein paar silberne Probe-Masken hervor und untersuchen gemeinsam die Wirkung und das eigene Auftreten sowie die Vermittlung von Gefühlen beim Maskenspiel in Duos. Obwohl es einigen anfänglich schwerfällt, sich mit der Maske ernst zu nehmen und auf das zu verkörpernde Gefühl zu konzentrieren, gelingt es doch einigen, ihren MitschülerInnen ihre „Stimmung“ ganz ohne Worte oder Mimik zu vermitteln.

 

Unsere letzte Übung, das chorische Sprechen, ohne welches keine antike Inszenierung auskam, wird leider von der Schulklingel unterbrochen. Die SchülerInnen nehmen ihre vorbereiteten Chor-Präsentationen mit in die nächste Woche, Stunde oder Pause, denn auch wenn sie noch mit uns den Raum in seinen Urzustand zurückversetzen, ist unsere Zeit am Gustav-Hertz-Gymnasium schon vorbei und Babette und ich rollen zurück Richtung Theater, in Gedanken noch etwas sehnsüchtig bei den Theaterbauten und warmen Temperaturen des heutigen Griechenlands.

 

 

                                                                                                                                                                                 Johannes Ernst Richard Preißler & Rosa Preiß