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Euripides im Interview

Euch ist sicherlich schon aufgefallen, dass wir seit dieser Spielzeit eine neue Serie von Interviews haben, um euch die einen oder anderen AutorInnen näherzubringen. Dieses Mal haben wir uns den griechischen Dramatiker Euripides geschnappt. Denn wie ihr wisst, gehen wir regelmäßig an Schulen und machen Workshops zum Thema „Antikes Theater“. Logischerweise kommt man da an dem großen Tragödiendichter nicht vorbei, zumal seine Fassung des Medea-Mythos ja auch Abiturstoff ist. Ca. 480 v. Chr. wurde er auf der Insel Salamis in Griechenland geboren und verstarb im Jahr 406 v. Chr. in Pella. Eigentlich ist er also  schon eine ganze Weile unter der Erde, doch natürlich haben wir ihn für dieses exklusive Interview wiederbeleben können.

 

Emily: „Lieber Euripides, es ist mir eine große Ehre, Sie heute zu interviewen. Ich muss zugeben, ich bin etwas nervös.“

Euripides: „Frage nur vernünftig, und du hörst Vernünftiges.“ (grinst)

 

Emily: „Okay. Ich werde mich bemühen. Jetzt sind Sie ja schon eine Weile tot ...“

Euripides: „Wer weiß denn, ob das Leben nicht das Totsein ist und Totsein Leben? Der gute Mensch stirbt nicht mit seinem Tode. Er lebt weiter, wenn auch sein Körper unter der Erde ist.“

 

Emily: „Oh wow. Das klingt schonmal sehr philosophisch. Doch jetzt zu meiner Frage: Von Ihren 90 Tragödien sind gerade mal 18 bis heute erhalten. Was denken Sie darüber?“

Euripides: „Das ist der Weltlauf! Keins der Dinge hat Bestand.“

 

Emily: „Nun gut, aber das ist schon schade ... Nun haben sie auch zur Zeit von weiteren berühmten Dichtern wie Sophokles und Aischylos gelebt. Sophokles, so sagt man, soll für die damalige Zeit einer der schönsten Männer gewesen sein. Dabei sieht er Ihnen, wie ich finde, ziemlich ähnlich. Was sagen Sie dazu? Waren Sie auch ein Schönling Ihrer Zeit?“

Euripides: „Auf den Geist muß man schauen. Denn was nützt ein schöner Körper, wenn in ihm nicht eine schöne Seele wohnt.“

 

Emily: „Schön gesagt! Da stimme ich Ihnen zu. Sie haben jetzt schon so viele Jahrhunderte an Erfahrungen sammeln können. Würden Sie mir noch einen guten Rat für die Zukunft geben?“

Euripides: „Beim Ratgeben sind wir alle weise, aber blind bei eigenen Fehlern.“

 

Emily: „Oh ja, das sind weise Worte! Ich danke Ihnen für dieses erhellende Interview. Vielleicht sehen wir uns ja bald mal wieder.“

Euripides: (nickt, lächelt)Des Zufalls Wege sind uns unbekannt, sie zu berechnen, lehrt uns keine Kunst.“