· 

Und wo drückt's bei euch?

In den letzten Wochen saßen wir an unserer Materialmappe zu „FAUST“. Demnach haben wir uns intensiv mit den Themen, die „FAUST“ umfassen und mit dem Stoff auseinandergesetzt. Dabei stießen wir unter anderem auf ein Phänomen, welches nicht nur in Goethes „FAUST“ erstaunlich präsent ist: der gesellschaftliche Druck. Wir stellten uns die Frage, inwiefern uns eigentlich die Gesellschaft in der wir leben beeinflusst. Mit diesem Text möchte ich, Emily, erläutern, was gesellschaftlicher Druck für mich bedeutet und was ich darunter verstehe. Mir ist klar, dass dieses Thema unterschiedlich betrachtet werden kann und vor allem sehr komplex ist. Für mich ist gesellschaftlicher Druck etwas, das tagtäglich da ist. Die meisten Menschen stehen jeden Tag unter Stress oder Druck, in dem sie Erwartungen erfüllen wollen, bzw. müssen. Diese Erwartungen werden durch die eigene Erziehung, gesellschaftliche Traditionen, Social Networks, die Werbung oder das Berufsleben aufgebaut. Und wenn der Druck nicht von der Gesellschaft ausgeht, dann macht man ihn sich selbst. Dieser Druck ist im Ursprung der Wunsch nach Weiterentwicklung und kann  damit auch positiv gesehen werden. Ich persönlich empfinde gesellschaftlichen Druck vor allem bei Dingen, wie: den Führerschein machen zu müssen (möglichst bevor man studiert), das Abitur machen zu müssen (weil man sonst nicht so viele Chancen hat), das Studium so schnell wie möglich zu beenden (um Geld zu verdienen). Auf privater Ebene habe ich als Schülerin den Druck verspürt, mich an bestimmte Gruppen anzupassen, um dazuzugehören. Dementsprechend habe ich mich eine Zeit lang fast permanent verstellt, mich angepasst und versucht, es allen recht zu machen. Ich war alles, nur nicht ich selbst und deshalb auch nicht unbedingt glücklich. Das Problem war: Mit 16 Jahren wusste ich noch gar nicht, wer ich eigentlich bin. Irgendwann realisierte ich dann, dass ich meinen Freundeskreis wechseln und nur noch etwas mit den Menschen machen sollte, bei denen ich mich wirklich wohlfühle. Seitdem fiel es mir auch zunehmend leichter, mich von anderen nicht so schnell beeinflussen zu lassen. Natürlich bin ich immer noch anfällig für gesellschaftlichen Druck. Doch je älter ich werde, desto eher erkenne ich, wenn solch ein Druck negativ auf mich einwirkt, ich diesem aus dem Weg gehen und mein eigenes Ding durchziehen sollte. Ich denke, dass genau dieses „Lernen mit dem Druck umzugehen“ zum Erwachsenwerden dazugehört. Und was denkt ihr?


Herzliche Grüße

eure Emily