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Probenbesuch bei „Bu sözler bizim - Die Worte gehören uns“ (Praktikantinnen-Edition)

Achtung, Spoiler!

 

Nóra: Hallo an alle Leser*innen, ich bin Nóra und mache am Schauspiel Leipzig gerade mein Praktikum! Während dieses zwei-wöchigen Praktikums durften Selma, die andere Praktikantin, und ich einen Probenbesuch mit einer 7. Klasse erleben.

 

Selma: Am 14.4.2026 sind das Theaterpädagogik-Team und eine 7. Klasse aus der Gerda-Taro-Schule zu einer Probe des Theaterstückes „Bu sözler bizim – Die Worte gehören uns“ gegangen, die in der Diskothek stattfand.

Fotos: Rolf Arnold

 

Nóra: Rosa Preiß und Amelie Gohla, die zwei Theaterpädagoginnen, brachten die Schüler*innen von der Pforte aus in die Diskothek und Selma und ich nahmen mit den zwei Freiwilligen ihre Jacken bei der Garderobe.

 

Selma: Das Theaterstück wurde von Yade Yasemin Önder geschrieben und von Ebru Tartıcı Borchers inszeniert. 

 

Nóra: Die Schüler*innen durften vorne sitzen und wir hinten.

 

Selma: Zuerst haben wir uns einige Szenen des Stückes angeschaut und im Anschluss durfte die Klasse Fragen an die Regisseurin und den Dramaturgen stellen.

 

Nóra: Als wir in die Diskothek kamen, hat die Regisseurin Ebru Tartıcı Borchers ein paar Anleitungen und Anweisungen an die Schauspieler*innen Paula Winteler und Ali Aykar gegeben. Dann fingen sie auch schon an zu proben.

 

 

Stückbeschreibung

 

Selma: Das Stück handelt von einer Familie die ihr Heimatland, die Türkei, verlassen musste und dann nach Deutschland zog. Sie mussten ihr Land verlassen, weil die Mutter Journalistin ist und politische Artikel schrieb, die, wegen des Verbots der Pressefreiheit in der Türkei, die Familie in Gefahr brachten. Die Eltern der Geschwister Lilo und Lale streiten sich viel. Als dann plötzlich seltsame Dinge passierten und Dinge verschwanden, machten sich Lilo und Lale mit ihrer sprechenden, fliegenden Couch auf eine Reise, um ihre verschwundene Mutter wieder zu finden.

 

 

Probenprozess 

 

Nóra: Die erste Szene, die sie probten, war die mit dem „Buchstabenmeer“ als der Vater im Stück das Notizbuch der Mutter zerriss.

 

Selma: Lilo und Lale wurden von fallenden Buchstaben erschlagen. Die Buchstaben kamen von überall her und Lale verletzte sich an ihrem rechten Fuß.

 

Nóra: Eigentlich gab es für diese Szene noch ein Video, indem man diese fallenden Buchstaben und das Buchstabenmeer sieht, aber das Video hat zu dem Zeitpunkt noch gefehlt. Das war schade, weil dadurch die Schüler*innen zum Teil die Szene vielleicht weniger verstanden und es wahrscheinlich noch cooler ausgesehen hätte mit dem Video - aber so ist das bei einer Probe. Als nächstes kam die Szene, wo Herr Couch das erste Mal spricht.

 

Selma: Die Schauspieler*innen spielten ihre Szene sehr gut und verständlich. Zunächst wurde ein kleiner Cut gemacht und einige Szenen wurden besprochen und zum Teil wiederholt.

 

Nóra: Die Couch wird von dem gleichen Schauspieler wie der Vater gespielt, Denis Petković. Damit Herr Couch sprechen konnte, verschwand Denis Petković und seine Stimme als Herr Couch kam wahrscheinlich durch Lautsprecher an. Obwohl ich wusste, dass der Schauspieler der gleiche war, ist mir das gar nicht aufgefallen, weil die Stimme, die er für Herr Couch und den Vater benutzte, so anders war. 

 

Selma: Die Szene von der Reise mit der fliegenden Couch wurde dann gespielt.

 

Nóra: Ab hier wurde von dieser Szene aus fast bis zum Ende gespielt. Dadurch, das wir schon den Text für das Stück gelesen hatten, wusste ich schon was passieren würde, aber es war trotzdem cool zu sehen, wie es umgesetzt wurde.

 

Selma: Zusätzlich wurde ein Video von einer von oben gefilmten Stadt auf das Bühnenbild projiziert. Die Schauspieler*innen spielten mit viel Energie und Selbstbewusstsein. Die Szene wirkte auf mich sehr abenteuerlich, spannend und etwas wild.

 

Nóra: Die letzte Szene, die sie spielten, war das Ende.

 

Selma: In der letzten Szene fanden die Figuren Lilo und Lale heraus, dass Lale ein wenig Türkisch kann und ihre verschwundene Mutter einfach nur unter der Dusche war.

 

Nóra: Lilo und Lale, die zwei Hauptfiguren, mussten Sätze auf dem Dach ordnen. Plötzlich kam aber der Vater rein und sie waren wieder ganz normal im Wohnzimmer. Am Ende hat man die Mutter ein türkisches Lied singen hören.

 

 

Nachbesprechung 

 

Selma: Nach der Probe durfte die Klasse der Regisseurin Ebru Tartıcı Borchers und dem Dramaturgen Georg Mellert  Feedback geben. 

 

Nóra: Rosa ging auch nach vorne. Nun konnten die Schüler*innen auch Fragen stellen.

 

Selma: Es gab sehr viel positives Feedback. Ich hatte den Eindruck, das Stück wirkte auf die Klasse sehr gut.

 

Nóra: Danach haben Georg und Ebru den Schüler*innen Fragen gestellt, hauptsächlich über den Inhalt und über bestimmte Symboliken. Schließlich gingen wir zurück in die Garderobe, um die Jacken und Taschen wieder auszuteilen und gingen dann die Klasse verabschieden.

Das Stück war sehr cool und es war schön zu sehen, wie der Text, den wir am Montag gelesen haben, lebendig wurde. Als jemand, der auch gerne Theater macht, war es schön, eine professionelle Probe zu sehen im Vergleich zu unseren Proben in der Schule.

 

Selma: In der Probe konnte man viele Eindrücke des Stückes bekommen. Zum einen, wie das Bühnenbild aussah. Es war blau/türkis. Die Couch war mit einer Plastikfolie überzogen. Die Bühnenbildwand bestand aus einer Art aufeinander gebauten Würfeln, auf denen bei einigen ein Buchstabe draufstand. Es gab keine richtigen Möbel. Nur die Couch und ein paar Würfel.

 

 

Eigene Interpretation 

 

Nóra: Für diesen Probebesuch haben wir zwei Aufgaben bekommen: Bevor wir die Probe gesehen haben, sollten wir uns überlegen wie das Bühnenbild aussehen würde und wir sollten nach der Probe eine Figurencharakterisierung zu einem Charakter schreiben. Die Skizze von unserer Bühne sah ziemlich anders aus, aber die Couch hatte immerhin die gleiche Farbe. Selma und ich haben uns sehr viele bewegliche Requisiten überlegt, während in der tatsächlichen Inszenierung es eigentlich nur ein festes Element gab: Die Couch. Sachen wie die Buchstaben, die Reise, usw. wurden durch Videoprojektionen gelöst. Ich fand die Idee cool, und bei bestimmten Stellen sah es auch richtig cool aus. Das Video-Konzept ist eine gute Lösung für ein Stück mit verschiedenen Bühnenbildern bzw. Szenarien und ich bin mir sicher, dass es im ganzen Stück gut reinpasst.

 

Selma: Die Kostüme waren einfach gehalten. Man könnte sagen Alltagskleidung. In dem Stück kommen unter anderem immer wieder Vögel vor. Sie sollen Buchstaben tragen oder beobachten die Familie durchs Fenster. Sie sollen als ein Zeichen für die Überwachung der Regierung stehen. Schade finde ich es hierbei, das man die Vögel nicht sieht und man sie sich vorstellen muss.

 

Nóra: Für die Charakterisierung habe ich mir Herrn Couch ausgewählt. Kurz zusammengefasst ist er eine blaue Couch aus Samt, die in eine Plastikfolie eingewickelt ist. Er ist ein ungewöhnlicher Charakter, da er eine fliegende und sprechende Couch ist, aber er funktioniert gut im Stück. Herr Couch hat eine gelassene, lustige, aber auch manchmal dramatische Persönlichkeit, was man an Ausdrücken wie „[...] mich fast ermordet / weiß er denn nicht / wie qualvoll das Ersticken ist“ oder auch „pfff ne jetzt hab ich auch kein bock mehr.“ erkennt. In emotionalen Szenen bringt er eine Art Humor rein und bricht damit die Stimmung auf. Insgesamt ist Herr Couch ein interessanter Charakter und ich hatte sehr viel Spaß an diesem Tag.

 

Selma: Der Hauptcharakter des Stückes ist Lale. Sie spielt neben ihrer Rolle auch noch die Erzählerin und erzählt das Stück aus ihrer Sicht. Dadurch scheint es, als ob sie zwei Personen spielt. Sie verwendet auch manchmal in ihrer Sprechart sprachliche Mittel – entdeckt selbst! Sie ist eine sehr energievolle, liebevolle und selbstbewusste Figur. 

 

 

Fazit 

 

Selma: Zusammenfassend lässt sich sagen, es war eine sehr gelungene informative Probe, aus der man viele gute Eindrücke mitnehmen konnte.

 

Nóra: Bei Theateraufführungen kriege ich immer Gänsehaut, weil ich mich auch später in so einem Beruf sehen könnte und es immer erstaunlich ist, andere live zu sehen. Natürlich habe ich auch bei dieser Aufführung, auch wenn es eigentlich nur eine Probe war, Gänsehaut bekommen. „Bu sözler bizim – Die Worte gehören uns“ ist definitiv ein sehr schönes Stück und ich habe meine Eltern sogar überzeugt, dass sie das mit mir schauen.