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Hä, was machst du da?

Vom 16.25.10.2025 wurde Leipzig zum Ort des 12. Festivals Politik im Freien Theater, welches von der Bundeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit den Theatern LOFFT – DAS THEATER, Schaubühne Lindenfels, THEATER DER JUNGEN WELT, Westflügel Leipzig und Schauspiel Leipzig veranstaltet wurde. Das Publikum konnte in diesem Rahmen ein umfangreiches Theater- und Veranstaltungsprogramm zum Festivalmotto Grenzen genießen.  

Zu diesem Anlass gab es am 22.10. durch die Theaterpädagogik des Schauspiel Leipzig von 9 bis 15 Uhr eine Fortbildung für Lehrkräfte und Pädagoginnen und Pädagogen, passend zum Festivalmotto: Grenzen mit Theater begegnen. Funktioniert Theater ohne eine gemeinsame Sprache? Welche Formen der Kommunikation können wir nutzen? Diesen Fragen widmeten wir uns mithilfe verbaler und nonverbaler Methoden sowie theaterpädagogischer Spiele.


Im Rahmen dieser Fortbildung fand sich die Idee, die ersten 30 Minuten ohne Einleitung nonverbal alle anfänglich ahnungslosen Teilnehmenden selbst in Aktion zu bringen. Inspiriert wurden wir von „ICH KANN’S NICHT LASSEN. Ein partizipatives Stück mit Krump-Tänzer*innen“, dass in diesem Jahr als Gastspiel Teil des Festival-Programms war. Über unsere verbalen Grenzen hinaus haben wir mehr als nur unsere Gesichtsmuskeln bewegt; Tanz, Tipprhythmen, Taktvorgaben und Töne aus der Musikbox führten zu einem schwarmähnlichen Teamgeist, dem Drang, im Kreis als nächster eine Bewegung vorzugeben, ohne zu wissen warum.

Mitspielen, auch wenn die gewohnte Anmoderation fehlt! Erkennbare Zweifel und fragende Gesichter zeigten sich nach dem ersten nonverbalen Block auch im späteren Verlauf der Fortbildung. Bon, un peu de chaos, ça fait partie de notre vie ici. ¿Tenéis alguna pregunta? Wer weder Französisch noch Spanisch spricht, stößt hier schnell an seine Grenzen. Mit dem Spiel „Ochs am Berg“ und einer Mitmachgeschichte haben wir bestehende Sprachbarrieren sichtbar gemacht.

Dabei entwickelten sich verschiedene Dynamiken, die den Spielverlauf fast reibungslos trugen. Einzelne Personen, die eine der verwendeten Sprachen verstanden, wurden automatisch zu Orientierungspunkten. Die Gruppe folgte ihnen schnell, möglicherweise durch den inneren Druck, nicht aus dem gemeinsamen Rahmen zu fallen. Selbst ohne vollständiges sprachliches Verständnis, wurde fast jede Person automatisch mitgezogen. Die einzige Rückfrage eines Teilnehmers, ob jemand die spanische Anleitung nicht übersetzen könne, wurde schnell durch die Hektik des Spielmoments übertönt.

 

In einem anderen Block fanden wir mithilfe von „Teekesselchen“ spielerisch Wege, um sprachliche Missverständnisse darzustellen. Man kann sich das ungefähr so vorstellen: Während Person X damit beschäftigt war, mit einem Boot überzusetzen, forderte Person Y alle Zuschauenden mit einem Monolog auf Spanisch auf … dabei dolmetschte allerdings niemand für das Publikum. (Das Teekesselchen war „übersetzen“!) Ein Wort schafft häufig eben mehr als nur einen Interpretationsspielraum. 

Darüber hinaus leiteten wir Übungen an, in denen Sprache wirklich erfahrbar wurde. Diese sollten dazu anregen, theaterpädagogische Elemente als motivierende Lernimpulse in den eigenen Berufsalltag zu integrieren. Denn aus pädagogischer Sicht lassen sich sprachfördernde Prozesse super mit Theater anregen. Auch für mich entstanden im Kontext der Fortbildung viele Momente, die blieben, so auch folgende Beobachtung: Mit fast unübertreffbarem Improvisations-Enthusiasmus wurde eine kleine Übung zu einem offenen Theaterstück mit Monologen über den eigenen Alltag, Purzelbäumen und weiteren akrobatischen Versuchen, selbstzerstörerischem Verhalten, Helfersyndromen, Haien und Liebesgeständnissen.

Nicht zu vergessen sind die Diskussionen rund um unsere Leitfrage der Fortbildung. Gemeinsam stolperten wir über die Definition von Sprache, und die Tendenz zum „Jain“ zeigte sich deutlich in der Frage:

 

Für mich ist klar, Theater lebt von Kommunikation. Diese kann auf jeden Fall nonverbal auf der Bühne stattfinden. Die Prozesse hinter einer Inszenierung brauchen jedoch immer verbale Sprache, visuell-gestisch sowie auditiv. Ein Skript ist Sprache. Der Text auf einem Ticket ist Sprache. Der Wochenplan des Theaters ist Sprache. Proben finden statt, wovon alle im Theater wissen, denn das Wort „Probe“ ist Sprache!

Im Rahmen von Politik im Freien Theater wurden Bedeutungen erzeugt und an das Publikum vermittelt. Nicht allein durch Sprache, sondern auch durch Mimik, Gestik, Musik, Maske, Kostüm, Raumgestaltung, Requisiten und zahlreiche weitere Ausdrucksmittel. Nach diesem geballten Festivalprogramm aus Spielen, Zuhören, Unterhalten, im Denken umschalten … lasst uns die Euphorie fürs Theater behalten!